TSG Zellertal

90 wunderbare Minuten mit der Walz aus der Pfalz Unterhaltsamer Talk und spannende Buchvorstellung mit Hans-Peter Briegel und Wolfgang Stephan

„Die Walz aus der Pfalz“ rollte ins Zellertal und sorgte am Montag, 19. Januar 2026, bei der Vorstellung der Briegel-Biografie im (perfekten) verbalen Doppelpass mit Buch-Autor Wolfgang Stephan für einen unvergesslichen Abend. 110 Besucher waren im ausverkauften Saal Mattinger in Niefernheim zu Gast bei dem vom Fußball-Förderverein der TSG Zellertal organisierten Talk mit Buchvorstellung. Alle, beispielsweise auch der TSG-Vorsitzende Matthias Ermel, waren hellauf begeistert. Die Stimmung war vom Anpfiff weg grandios, Betze-Feeling auf dem „Dorfspielplatz“, wenn man so will. Es wurden 90 spannende, kurzweilige Minuten. Hans-Peter Briegel, die FCK-Ikone, ein Star ohne Allüren, eine Ikone des 1. FC Kaiserslautern, als Ehrenspielführer in einer Reihe mit den Helden von Bern zu sehen, dankte in der Nachspielzeit beeindruckt von den 90 stimmungsvollen Minuten ohne Halbzeitpause: „Eine super Organisation.“ Der Abend in Niefernheim war das 19. Gastspiel des Duos Briegel/Stephan, zwei Vorstellungen in Rodenbach, Briegels Heimatort, und in Hochdorf-Assenheim folgten, dann ist erstmal Pause. „Das war die beste Veranstaltung auf der Tour“, lobte Wolfgang Stephan nach dem „Abpfiff“ in Niefernheim. Der Journalist, ein gelernter Buchdrucker, stammt aus St. Martin, lebt in Hamburg und Marbella und ist als Sportreporter der „Nordsee Zeitung“ mit Schwerpunkt HSV am Ball. Stephan war Chefredakteur vom „Stader Tageblatt“ und Wegbegleiter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Dank gebührt allen Helfern
„Wir nehmen nicht nur ein Buch mit, sondern das Ganze des Abends“, schwärmte Bürgermeisterin Sonja Stoll-Merkel, die im fein aufeinander abgestimmten Helferteam mit anpackte, von einem besonderen Abend. „Danke allen, die diese Veranstaltung aktiv begleitet haben. Aufbau und Abbau, Thekendienst, Eingangskontrolle – der Teamgeist stimmte einmal mehr“, sagte Lothar Wandel, der Vorsitzende des Fußball-Fördervereins. Er durfte sich über viel Lob und große Anerkennung der Gäste freuen.

Lieberknecht überrascht Briegel
Die Galerie der Ehrengäste machte dann sogar Hans-Peter Briegel kurzzeitig sprachlos. Aus Dannenfels kam der stellvertretende FCK-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfang Erfurt ins Zellertal, aus Stetten der langjährige FCK-Kapitän Jean Zimmer, der jetzt Kopf der Lauterer U21 ist. Neben Zimmer, den Briegel als herausragenden FCK’ler würdigte, saß Zimmers einstiger Jugendtrainer Gunther Metz, jetzt Co-Trainer der deutschen U18-Nationalmannschaft. „Magic“ Metz ist Bundesliga-Rekordspieler des Karlsruher SC, wurde zuvor Profi beim FCK, bei dem er von 2001 bis 2017 Nachwuchstrainer war. Mit Riesenbeifall begrüßt wurde der Überraschungsgast, der Briegel in Erstaunen versetzte: FCK-Trainer Torsten Lieberknecht. „Er hat mir gestern nicht verraten, dass er kommt“, sagte Briegel. Die FCK-Ikone fand am Tag nach dem 3:1-Sieg der Roten Teufel gegen Hannover 96 anerkennende Worte für Lieberknechts Arbeit: „Heute lob‘ ich mal den Torsten. Er hat so viele Punkte mit einer Mannschaft geholt, die nicht so einfach zu händeln ist.“
Lothar Wandel wünschte Lieberknecht, der wie Briegel, Zimmer und Metz ungezählte Autogrammwünsche zu erfüllen hatte, als Fotomodell geduldig und freundlich bereit stand, dass sein Herzenswunsch mit seinem Herzensverein aufzusteigen „irgendwann in Erfüllung gehen möge“.

Petra Briegels Machtwort
Wolfgang Stephan erzählte wie aus einem zufälligen Treffen in Marbella die Biografie „Hans-Peter Briegel. Die Walz aus der Pfalz“ wurde. Nach Stephans Wahrnehmung wollte Briegel das Buch und dann auch wieder nicht. Als Petra Briegel, seit 36 Jahren mit dem Ex-Fußballer verheiratet, drohte, wenn er das nicht macht, dann schreib‘ ich über mein Leben mit der „Walz aus der Pfalz“, sagte er im Frühjahr 2025 doch lieber zu. Die Zeit drängte. Am 11. Oktober letzten Jahres wurde Briegel 70. Da sollte das Buch auf dem Markt sein. War’s dann auch … Gut 80 Stunden quetschte Stephan den einstigen Nationalspieler aus, führte Interviews mit Wegbegleitern wie Friedhelm Funkel, Lothar Matthäus, Rudi Völler und Karl-Heinz Rummenigge. In Marbella, „das ist ein Dorf“, traf der Autor auch Briegel-Freund Uli Stielike zum Interview und Meistermacher Kalli Feldkamp, der das Vorwort des 327 Seiten starken Werks schrieb. Es ist Kallis verbale Verbeugung vor einem gewesenen Weltklassespieler, den Erich Ribbeck in der A-Klasse bei SV Rodenbach entdeckte. Der Hinweis auf den Torjäger mit starkem linken Fuß kam auf einer Postkarte an die FCK-Geschäftsstelle. Nachzulesen im Interview mit „Sir Erich“ Ribbeck auf Seite 64. Auf Seite 41 erzählt „Beppo“ Brehm wie er Briegel, dem Kumpel aus der Lehrwerkstatt, Fußballschuhe für das Debüt bei den Rodenbachern borgte – Adidas World Champion – Größe 10.

Sensationsmeister mit Hellas Verona
„Hans-Peter Briegel kann vieles, auf dem Rasen alles. Das Einzige, was er nicht kann, ist aus Büchern vorzulesen. Deshalb mach‘ ich das“, erklärte Autor Stephan. „Ich weiß jetzt ziemlich viel über Hans-Peter und fast alles steht in dem Buch“, warb Stephan für das 27 Euro teure Werk. Es beinhaltet auch die unglaublichen Leichtathletik-Leistungen des 16 Jahre jungen Briegel: 7 Meter im Weitsprung, 11,2 Sekunden über 100 Meter. Stephan las einige Passagen vor, beispielsweise über Briegels Debüt im Dress von Hellas Verona samt seiner Top-Leistung gegen den damals wohl weltbesten Offensivspieler Diego Armando Maradona. Immer wieder gab es Riesenbeifall für die witzig-tiefgründigen Dialoge zwischen Autor und Fußballer. Immer wieder gab es Lachsalven, wenn Briegel erzählte. Über die (irrwitzige) Mutprobe mit dem Sprung aus 5,80 Metern Höhe aus dem zweiten Stock im Elternhaus in Rodenbach. Oder den Vertragspoker mit dem SSC Neapel, seinem Nein zu Real Madrid und dem Ja zu Hellas Verona. Die vier Millionen D-Mark Ablöse half FCK-Präsident Udo Sopp rote Zahlen auszuradieren. „Von dem Verein hab‘ ich damals zum ersten Mal in meinem Leben gehört und musste erstmal gucken wo Verona liegt.“ Der Gardasee und ein Traumvertrag machten aber doch Lust auf die Provinz. Am Ende stand die sensationelle italienische Meisterschaft! Überrascht wurde Briegel, dass einer, der im Ausland spielt, in Deutschland Fußballer des Jahres werden kann. Briegel wurde es 1985.

Die Versöhnung mit „König Otto“
Hans-Peter Briegel sieht in Kalli Feldkamp den komplettesten seiner Trainer, einen, der Durchschnittsspieler besser zu machen verstand. Herrlich die Erzählung Briegels über das „Wiedersehen“ mit Otto Rehhagel. Da schlich Otto Rehhagel als Trainer Griechenlands beim WM-Qualifikationsspiel in Tirana hinter Briegels Bank vorbei. Das Beweisfoto auf Seite 271 hat der langjährige RHEINPFALZ-Fotograf Bernhard Kunz geschossen. Rehhagel wollte dem pfälzischen Intimfeind nicht begegnen, der das Spiel als albanischer Nationaltrainer auch noch 2:1 gewinnen sollte. Die Herren hatten sich 1996 in Lautern überworfen, als Sportdirektor Briegel die „Ottokratie“ mit Alleinherrscher Rehhagel kritisiert hatte, am Denkmal kratzte. „Herr Briegel ist noch ein Lehrling. Wenn er einmal eine Meisterschaft erreicht hat, darf er mich auch kritisieren“, grollte „König Otto“. Das Tischtuch war zerschnitten. Längst aber, verriet Briegel auch in Niefernheim, ist er mit Otto Rehhagel wieder versöhnt. Herrlich die Episode von der Feier nach dem legendären 5:0 der Lauterer gegen Real Madrid – die Feier, feucht und fröhlich, endete erst am nächsten Morgen um 8. Die Markt-Beschicker und die Marktbesucher wunderten sich, dass die Profis nach der magischen Nacht auf dem Betze schon so früh auf den Beinen waren … „Man muss die Feste feiern wie sie fallen“, riet der Ehrenspielführer des FCK. Stephan und Briegel – das erinnerte auch in Niefernheim an das einstige ARD-Gespann Netzer und Delling. Nur waren Briegel und Stephan besser, weil sie ihre Spontaneität bewahrt haben. Wer deren Auftritte vergleichen konnte, der weiß, da ist wenig einstudiert, wenn auch perfekt eingespielt, da kommt vieles sehr spontan, der verbale Spielraum grenzt Kreativität nicht ein.

Wunderbar wie Wolfgang Stephan eröffnete, dass sich Petra Briegel bis letztes Jahr gar nicht für Fußball interessierte und auch nicht auf den Betze ging. Warum auch? „Ich bin mit Hans-Peter verheiratet, nicht mit dem Fußballer“, sagte Petra. Stephans Gardinenpredigt bekehrte sie. Petra Briegel ging mit und fing Feuer. Hans-Peter Briegel war irritiert: „Wolfgang, was hast du angerichtet?“

Cola-Whisky und „Kalle“ Rummenigge
Herrlich die Episode, die „Kalle“ Rummenigge über sein besonderes Verhältnis zu Briegel erzählt, beispielsweise vom Rückflug nach einem Länderspiel in Sofia: „Wir hatten Bulgarien 3:1 geschlagen. Im Flieger bestellte Hans-Peter erstmal Whisky-Cola. Als wir in Frankfurt ankamen waren wir dementsprechend beieinander. Uli Hoeneß holte mich damals vom Flughafen ab – er war schon überrascht, als er mich sah. Ich habe natürlich alles Hans-Peter in die Schuhe geschoben.“

„Briegel könnte auch als Comedian die Heute-Show bereichern“, zeigte sich Zuhörer Roland Stilgenbauer, auf dem Weierhof daheim, ebenso begeistert wie Jean Zimmer („Ein lustiger und unterhaltsamer Abend“), Gunther Metz („Ich hab‘ nicht gewusst, das Hans-Peter so witzig und lustig ist“) oder Torsten Lieberknecht, der mit seinem Besuch Briegels Wirken würdigen wollte. Briegel sprach – sichtlich berührt – mit großer Empathie über eine behütete Kindheit: „Im Herzen spüre ich für was ich den Eltern ewig dankbar bin. Man muss wissen, wo man herkommt. Wenn man das nicht kann, hat man ein Problem.“

Neuauflage im Zellertal angedacht
Eine Neuauflage der Lesung im Zellertal ist angedacht, ließ Wolfgang Stephan im Gespräch mit Lothar Wandel beim Absacker im Weingut Schwan anklingen. Gunther Metz, der schon als Profi sein Weingut in Hangen-Weisheim führte, war da längst zum Fachgespräch mit Winzerkollege Dirk Himmel, dem Chef des Weinguts Schwan, übergegangen.

 

Quelle: Horst Konzok